Was ist an Ötzi so besonders, Herr Künzel

Gleich nach Schulbeginn trafen sich Vereinsmitglieder und viele andere Besucher in der Aula Bernardi zu einem besonderen Vortrag von Prof. Karl-Heinz Künzel. Dieser war gemeinsam mit Prof. Othmar Gaber während der sieben Jahre, in denen Ötzi in Österreich untersucht und konserviert wurde, der erste wissenschaftliche Begleiter von Ötzi am Anatomischen Institut der Medizinischen Universität Innsbruck.

Als Insider der ersten Stunde seit der Auffindung vor genau 35 Jahren gab Prof. Künzel Einblick in den als "Cold Case" zu bezeichnenden sensationellen Fund unter Berücksichtigung schon in Vergessenheit geratener zeitgeschichtlichen Aspekten (wie zum Beispiel der Auffindung, Bergung un dem Grenzverlauf), den Problemstellungen bei der Konservierungstechnik unter Simulation der Gletscherbedingungen, der Entwicklung von minimalinvasiven Untersuchungstechniken zur Probenentnahme aus dem Körperinneren bis hin zum Gesundheitsstatus, den Ernährungsbedingungen, den aktuellen Genanalysen und demviel diskutierten Todesszenario.

Ötzi wurde am 19. September 1991 in den Ötztaler Alpen auf rund 3.210 Metern Seehöhe entdeckt – nur etwa 50 Meter von der österreichischen Grenze entfernt, auf italienischem Staatsgebiet. Ein deutsches Wanderpaar entdeckte ihn in einer Gletschermulde halb im Wasser, halb im Eis liegend und löste damit eine der wichtigsten paläontologischen Entdeckungen der Zeitgeschichte aus. Denn die über 5.300 Jahre alte Gletschermumie aus der Kupferzeit zählt zu den bedeutendsten archäologischen Funden der Welt. Sie liefert einzigartige Einblicke in das Leben der Menschen vor mehr als fünf Jahrtausenden.

Nach der Bergung wurde Ötzi zunächst an das Anatomische Institut in Innsbruck gebracht. Dort übernahm Prof. Karl-Heinz Künzel (Maturajahrgang 1971) im Anatomenteam seine wissenschaftliche Betreuung sowie die Konservierung des außergewöhnlichen Fundes. Über sieben Jahre wurde Ötzi mit allen möglichen Labor-, Röntgen- und anderen technischen Mitteln untersucht und es wurden immer wieder neue Erkenntnisse zum Zustand der feuchten Mumie, zur Lebensweise und zumTodes von Ötzi gewonnen. 

Heute befindet sich Ötzi im eigens für ihn eingerichteten Südtiroler Archäologiemuseum in Bozen, wo er unter kontrollierten klimatischen Bedingungen aufbewahrt und ausgestellt wird.

Der Abend wurde vom Obmann der Freunde des Collegiums moderiert. Nach seinem Vortrag stellte sich Prof. Künzel noch den Fragen von Thomas Bischof und Laura Ischepp aus der 6. Klasse. Wie schon mehrfach praktiziert, hat sich dieses Format sehr bewährt. Vor allem Laura Ischepp konnte als Schülerin des Gymnasiums mit ihren Fragen noch mehrere interessante Details aus Prof. Künzel herauslocken.