Umso dankbarer bin ich für den starken Gemeinschaftsgeist, der unsere Klassengemeinschaft bis heute trägt – ein Geist, in den auch unsere Partnerinnen selbstverständlich eingebunden sind. Das verdanken wir zu einem großen Teil Franz Näscher, der uns über Jahrzehnte hinweg zusammengehalten hat. So ist eine feste Tradition von Klassentreffen entstanden, an denen auch die Witwen immer wieder teilnehmen. Von einst 15 Maturanten sind wir heute noch sechs, außer einem über 85; nur Helmut Leuprecht, ein begnadeter Sportler und Vitalste von uns allen, hat sein 85. Lebensjahr noch nicht abgeschlossen. Die Erinnerung an unsere Verstorbenen pflegen wir bewusst – und damit auch die Verbundenheit mit ihren Familien.
Eine besondere Geschichte verbindet sich mit Frischmann: Seine Söhne waren ebenfalls in der Mehrerau, und heute ist es sein Enkel Paul. Drei Generationen hintereinander in der Mehrerau – ein seltener Fall. Wir haben ihn deshalb zum Ehrenmehrerauer ernannt; auch wenn das nach seinem Tod für ihn selbst nicht mehr von Bedeutung ist, bleibt die Erinnerung daran von großem Wert.
Prägend war für uns auch die Einstudierung des Sophokles‑Stücks Philoktet in griechischer Sprache unter der Leitung unseres Griechischlehrers P.Adalbert. Die Aufführungen in Bregenz, Innsbruck und Brixen haben unsere Klasse besonders zusammengeschweißt. 2025 haben wir beim Klassentreffen in Innsbruck den 65. Jahrestag dieser Tournee gefeiert. Im Fotoarchiv der Altmehrerauer findest du zahlreiche Aufnahmen unserer Klasse. Besonders Klaus Hilti besitzt noch viele Erinnerungsstücke; vielleicht möchtest du einmal mit ihm sprechen – er zeigt dir seine Schätze gewiss gern.
Unser Lebenskreis ist nicht groß, aber auch nicht klein. Ich selbst bin wohl der Nördlichste: einst Tiroler in der Mehrerauer Zeit, dann 55 Jahre in Schleswig-Holstein lebend und da heimisch geworden; beruflich in Hamburg tätig. Alter und gesundheitliche Gründe haben Hamburg jetzt zu meinem wohl letzten Lebensort gemacht. Leuprecht – „Benjamin“ genannt, obwohl er nicht der Jüngste war – lebt in Wien; Hilti, - „Kegel“ und Darsteller des Philoktet – im Fürstentum, aus dem er stammt; Pritzer – „Säfti“, Darsteller der zweiten Hauptrolle im „Philoktet“– in Rheinland-Pfalz; Radermacher – „Nobes“ – in Köln; und Gerd Schuh – wie Säfti und Nobes „Marienstädter“, die es wohl später nicht mehr gegeben hat – am Niederrhein nahe der holländischen Grenze. Mein ungewöhnlicher Spitzname „Genosse“ war wohl mein stärkstes und in unserer Gemeinschaft bis heute nachhaltigstes Merkmal.
Im Verein sind naturgemäß die Vorarlberger und jene, die in der Nähe leben, am aktivsten – manchmal wirkt der Verein fast wie ein regionaler Stammtisch. Doch eure Angebote zeigen, dass ihr euch um anregende Veranstaltungen bemüht. Die weiter Entfernten sind wohl eher stille Unterstützer. Umso wichtiger ist ein lebendiger Informationsfluss, der das Gemeinschaftsbewusstsein über die regionale Nähe hinaus erhält.
Ich wünsche dir und deinen Kollegen weiterhin gute Ideen und die Kraft, das Gemeinschaftsgefühl weit über die Grenzen Vorarlbergs hinaus lebendig zu halten. Viel Glück, viel Freude und – mit Blick auf den Jahreslauf – ein gutes neues Jahr!
Das Mehrerauer Motto non mergor hat mich mein Leben lang begleitet, und ich habe versucht, danach zu leben. Dasselbe wünsche ich dir – und non mergimur uns allen.